Das Rätsel Bewerbungsanschreiben

Hiermit bewerbe ich mich auf ihre Stellenanzeige XY – so oder ähnlich lautete das erste Anschreiben meines Lebens. Im Nachhinein betrachtet, ein Grauen! Aber ich wusste es nicht besser und Google lieferte mir diese Anschreiben als „Muster“. Und in der Schule wurde lieber über Literaturepochen philosophiert, anstatt uns etwas für das Leben beizubringen.

Das Anschreiben ist nach eurem Lebenslauf ein wichtiges Element um euren potenziellen, zukünftigen Arbeitgeber von euch zu überzeugen. Ihr solltet euch darin präsentieren, er sollte einen Teil von eurer Persönlichkeit enthalten und nicht nur einem lieblosen Standartbrief gleichen. Stellt euch vor ihr müsstet 100 Bewerbungen durchsehen, und 90 davon würden gleich anfangen…
Nach spätestens fünfzehn ist euch dieses Gefasel ein Dorn im Auge und ihr lest nur noch flüchtig.

Ein gutes Anschreiben ist wie ein Buch, ihr fesselt den Leser, sodass er bis zu Ende lesen will.
Dazu müsst ihr weder Goethe noch Schiller sein, sondern einfach nur eure Motivation in den Brief stecken, euch nicht verstellen, aber auch für euch werben. Ich kann euch keine Garantie geben, dass meine Anschreiben gut sind. Jedoch ist es heutzutage wichtig Persönlichkeit zu zeigen und auch für seine Persönlichkeit einzustehen.

Damit das Ganze jetzt nicht zu abstrakt wird, werde ich euch ein paar Beispiele von mir zeigen, ihr dürft ruhig lachen, wenn sie daneben sind (das habe ich auch getan), aber wenigstens erzeugen sie keine Langeweile! Ich nehme Bewerbungen nicht mehr ganz so eng und versuche krampfhaft etwas zu schreiben. Entweder nehmen sie mich wie ich bin oder ich passe nicht in den Betrieb. Bin weder Superwoman, noch unendlich biegbar – ich gebe nur jeden Tag mein Bestes ohne mich zu verlieren!
Bevor ihr loslegt, solltet ihr eure Stärken und Schwächen kennen, sowie eure Motivation für den Job. Macht euch eine Liste oder schreibt es kurz auf, falls ihr es nicht wisst! 

Die Einleitung

Die Einleitung ist neben dem Schluss eine der wichtigsten Bestandteile der Bewerbung, ihr solltet euch Mühe geben, sie zum Weiterlesen einladend zu formulieren. Gleichzeitig nutzt ihr eure "Liste" und entscheidet euch vorher, welcher Teil eures Charakters am Besten mit der Stelle übereinstimmt. Ebenfalls solltet ihr beachten immer die Person, die eure Bewerbung bekommt mit Namen anzuschreiben. Falls ihr nichts dazu findet, ruft an oder fragt nach, an wen ihr eure Bewerbung richten müsst. Das zeigt euer Interesse und ihr habt gleich einen ersten Eindruck hinterlassen.

Einleitungssatz Praktikabewerbung Grafiker - 2013

Das Unternehmen ist eine junges, kleines Grafikbüro in meiner Heimatstadt. Sie zeichnen sich besonders durch ihren minimalistischen Stil aus. 

Was sagt die Einleitung über mich aus?
Ich suche gerne neue Wege und laufe nicht unbedingt auf bereits sicher erkundeten Strecken. Das Leben ist Veränderung, unser Horizont sollte stets offen für Neues sein.

Positiv: offen für neue Wege, lernbereit, kreativ
Negativ: ev. nicht anpassungsfähig, nicht traditionell

Wie du die Tipps konkret bei deiner Bewerbung umsetzt?

Stellt euch die Frage, wie es ist in dem Job zu arbeiten.
- Was erfüllt euch?
- Was findet ihr spannend an diesem Job?
- Welchen Teil eures Charakters wollt ihr präsentieren?
- Oder auch - direkt mit euer Eignung starten und Motivation in den zweiten Absatz verschieben.
-> Wenn es in diesem Job weniger auf Motivation als auf Eignung an kommt

Schreibt eure Motivation in den ersten Absatz (aber achtet auf konventionelle Tabus)


Der Hauptteil

Im Hauptteil solltet  ihr etwas über euch erzählen.
- Was sind eure persönlichen Ziele?
- Wieso sollte man euch einladen? Was qualifiziert euch besonders für diesen Job?
- Eure Eignung für den Job?
- Sonstige Erfahrungen, die nicht im Lebenslauf stehen.
- Eventuell Motivation, falls ihr mit eurer Eigung gestartet habt

Hauptteil meiner letzten Bewerbung für meinen Studentenjob - 2014


Schluss

Gerade junge Menschen machen sich oft kleiner als sie sind in ihren Schlusssätzen, ihr bietet dieser Firma euer Talent/Arbeitskraft an und nicht eurer komplettes Unterwerfen.

Schreibt einen Satz der positiv klingt, wie z.B.

- Falls Sie noch Fragen haben stehe ich Ihnen gerne für ein persönliches Gespräch zur Verfügung
- Ich könnte ab dem x.Juli 2015 bei Ihnen anfangen
- Persönlichen Nutzen für die Firma betonen

In den Abschiedformeln solltet ihr nicht übertreiben, Formeln wie "Hochachtungsvoll" sind veraltet. Es sei denn ihr wollt euch beim Königshaus bewerben, aber sonst reicht ein normales "Mit freundlichen Grüßen" aus.


Das war der erste Teil meiner Bewerbungsreihe. Im nächsten Monat werden noch weitere Posts bezüglich Bewerbungslayout, Bewerbungsfotos, sowie dem Lebenslauf online kommen! Ich will jetzt nicht sagen, ich sei ein Bewerbungsprofi, allerdings hilft es vielleicht einigen von euch weiter.

Eure Gedanken:

  1. Die Formulierung einer Bewerbung kann Nerven aufreibend sein. Wobei ich mir nicht sicher bin, was einfacher ist. Eine Bewerbung für den kreativen Bereich zu verfassen oder einen Standardbrief für den spießigen wie z.B. Verwaltung. In kleinen Gemeinden auf dem Land, stehen sie zu meist immer noch auf die Standartkutsche.

    Allgemein finde ich Bewerbungsschreiben nicht besonders Aussagefähig. Besonders im Handwerksbereich. Ein Schreiner muss kein Meister im Satzbau sein. Hier zählt das handwerkliche Geschick. Wobei ich ausgehe, dass dort die Bewerbungsunterlagen anders betrachtet werden, wie bei einem Bürojob.

    Alles in allem bin ich der Meinung, dass nur ein Vorstellungsgespräch und/oder Probearbeiten passendes Personal herausfiltert. Wobei ich diese Einstellungstests-Marathone nicht gut heiße. Liegt womöglich an meiner Abneigung gegenüber Leistungsdruck.

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    1. Ja, da hast du Recht, das sehe ich auch so :).
      Du wirst nie genau das in den Brief packen können, wer du bist, aber auch nicht ins Vorstellungsgespräch... Generell bin ich der Meinung ein lockeres, persönliches Gespräch ohne Standartfragen lässt einen am Meisten erfahren. (Zumindest würde ich das als Chef so machwn) Aber es ist nun mal heute nicht so, sondern alles muss bei den Meisten in diesen Normbogen passen.

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  2. Das Thema Bewerbungen empfinde ich als eines der Schwierigsten überhaupt. Man weiß nie, wer später die Bewerbung in der Hand hält und liest. Während der eine auf spießige Formulierungen steht, mag der nächste es lieber offen und ehrlich, ein anderer hingegen halt anders. Zudem ist es auch nicht immer ersichtlich, um was für ein Unternehmen es sich handelt. Nur, weil sich eine Firma nach außen hin als weltoffen und jung präsentiert, heißt es noch lange nicht, dass diese auch so geführt wird. Sicherlich ist es nicht verkehrt, wenn man sich ein wenig von der Masse abhebt - aber es muss auch zum Thema passen. Im Kreativbereich sieht es anders aus, als jetzt beispielsweise im Pflegebereich. Da kann man sich schon ein wenig mehr austoben ... nicht nur verbal, sondern auch optisch.

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    1. Ja, da kann ich nur zustimmen. Ich denke der Kreativbereich ist da sowieso etwas offener bzw. alles was irgendwie mit Medien zu tun hat. Generell darf man in diesen Bereichen auch mit Farbe arbeiten allerdings etwas dezenter. Ich kann nur leider keine anderen Beispiele liefern, da ich einfach dortdrin nicht tätig bin...
      Es kommt schlussendlich auch auf einen selbst an und wie man sich präsentieren will, bzw. in welcher Art von Firma man arbeiten möchte.

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  3. Cool, dass du das Thema aufgreifst! Ich finde aber den Stil tw. zu locker.. Welche konventionellen Tabus siehst du?

    Und bitte: Tippfehler korrigieren :-) Das Artikel hat Vorbild-Charakter. Und eine gute Rechtschreibung gehört dazu. z.B. Falls sie noch Fragen haben :-)

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    1. Danke ;) ich gehe nochmal darüber.
      Ist gut möglich das ich stilistisch einige Fehler begangen habe, aber wenn waren sie pure Absicht zu diesem Zeitpunkt. Denn ich empfand das Bewerbungen nie den Bewerber spiegeln können und man mich mit zu starren Sätzen nicht kennen lernt. Also bin ich in die andere Richtung gerannt (was nicht heißt ich würde es heute genauso tun), jedoch kommt das auf die Stelle an.
      Alles ist Stellenabhängig und ich finde man sollte sich vorher gut überlegen, was genau man präsentieren will.

      Konventionelle Tabus sind für mich:
      - Motivation aus reinen Geldmotiven
      - Schon so tun als sei man eingestellt (abgehoben)
      - schlechtes Benehmen (Mindestmaß an Form behalten)
      ...

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  4. Hallo,
    ein toller Ansatz, der mir sehr gut gefällt - mehr Individualität bei Bewerbungsschreiben. Das wünscht man sich, wenn man öfters Bewerbungsschreiben liest. Denn sie sind fast alle gleich. Ich habe nachher die Anschreiben nur noch auf Rechtschreibfehler hin untersucht und die Zeugnisse etc gelesen.
    Sehr schöner Beitrag!
    Liebe Grüße, Bee

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  5. Schöner Post, sehr interessant zu lesen wie du da rangehst...
    Eine Bewerbung für alle, das kann (in den meisten Fällen) nicht gut gehen. Also jedes Mal individuell schreiben passend zum Unternehmen und der Stelle. Das kostet nicht nur Nerven, sondern auch Zeit ... Da können ein paar tips nicht schaden...

    Liebste Grüße
    Simone

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